Die glorreiche Idee draußen zu schlafen erwies sich für mich bereits nach ca. 2 h als miese Idee. Maria hatte es schon nach drin verschlagen, weil es unfassbar kalt war. Ich packte meine Sachen und zeitgleich mit Sven flüchtete ich nach drin, wo er sein Lager im Aufenthaltsraum aufschlug und ich es mir auf einer Zweisitzer-Couch im Flur bequem machte.

Das machte das schlafen aber nicht bequemer, die Couch war hart und viel zu kurz und die ganze Nacht versuchte ich eine bequeme Position zu finden. Immer wenn ich mal weggenickt und wieder aufgewacht war lag noch jemand von unserer Freiluft-Gruppe auf dem Flur verteilt. Am Ende war über die Nacht jeder vor der Kälte geflüchtet.

Sonja, die im Schlafsaal geblieben war, hatte keine bessere Nacht. Im Schlafsaal wurde ständig rumort und sie fand keine 2 h Schlaf. Somit bereute ich zumindest nicht, nach draußen gegangen zu sein.

Der Weg war auf den ersten Kilometern wieder anstrengend und meine Füße taten weh. Unterwegs trafen wir auf eine Kuh mit beachtlichen Hörnern, die von ihrer Weide ausgebrochen war. Die Jungs hatten Angst, doch als ich vorlief, folgten sie mir auf dem Fusse. Nach 4 km kam der erste Stop, bei dem mir mein frisch gekauftes Frühstück vom Teller fiel.

Ab dieser Etappe nahm ich immer mehr an Fahrt auf. Irgendwann lief ich allein an der Spitze und stellte fest, wie sehr das den Kopf freimachte- ausschließlich Naturgeräusche und meine eigenen Schritte auf dem Weg.

Ich hegte seit Beginn des Camino durchgehend das Bedürfnis, Kilometer zu zählen. Je mehr Kilometer wir liefen umso weniger stark war der Zählzwang, der Drang war jedoch weiterhin präsent.

Mein „8er-Mantra“ und der Blick auf den Weg zogen mich stetig voran. Das Gewicht auf dem Rücken war überraschenderweise noch nicht zu schwer geworden, sondern angenehm zu tragen.

Irgendwann pausierte ich, um auf Sven zu warten, der mit kurzem Abstand hinter mir lief. Gemeinsam liefen wir bis zu einem Restaurant in Valenca, in dem wir ein Sandwich aßen und auf den Rest der Gruppe warteten. Anschließend durchliefen wir den Rest von Valenca um auf die Brücke nach Spanien zu gelangen.

Auch hier waren Sven, ich und Chris an der Spitze und überquerten stolz die Brücke nach Spanien, um auf der anderen Seite das erste Estrella Galicia zu trinken und wieder auf den Anschluss der anderen zu warten.

Sonja hielt sich mit ihrem schmerzenden Knie tapfer, aber so langsam war sie am Ende. Wir redeten so lange auf sie ein, bis sie sich für die letzten Kilometer zur Herberge ein Taxi nahm.

Tui ist eine wunderschöne Stadt, aus massiven Steinen gebaut und auf einem Berg gelegen. Man fühlt sich wie in die Vergangenheit versetzt. Die Herberge war okay, man hatte einen grandiosen Ausblick und das Highlight war ein Steinbecken im Hof, in das wir Wasser ein- und die Füße darin baumeln ließen.

Unsere Gruppe hatte sich um eine Person erweitert, weil ein Kumpel von Jan dazu stieß.

Und so verbrachten wir auch in Tui einen gemütlichen Abend mit unseren neuen deutschen Pilgerfreunden.









































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